Wenn unsere Chronik auch mit dem Jahre 1972 beginnt, so bedeutet das nicht den Anfang des Rainer Faschings!!! Die Rainer feierten schon immer gerne, und speziell Fasching war immer ein Grund, die halbe Stadt, wenn's nur ein bißchen ging, aus den Angeln zu heben.

 

März 1546

In einem "Streiflicht aus der Höchstädter Schulgeschichte", ist der Fasching in Rain erstmals erwähnt:

... Den bisherigen Schulmeisster Bartholomäus Hudler entließ der Rat im März 1546 seines Unfleißes wegen und weil er ohne Wissen und Willen des Bürgermeisters zehn Tage bei der Fasenacht in Rain am Lech verbracht hatte. Seine Nachfolge trat Johann Jäger, der bisherige Schulmeister in Rain, an. ...

1871

Rainer Wochenblatt vom 18.02.1871

Einladung

Am Fastnachts-Montag
Wird bei Unterzeichneten
 
Tanz-Musik

Abgehalten. Zu zahlreichen Besuch ladet freundlichst ein
 
Josef Schleipfer

1893

Rainer Wochenblatt vom Sonntag den 14.01.1893:

Carneval 1893
 
Empfehle meine Gesichtsmasken, Nasen, Knallschotten
zu äußerst billigen Preisen.
 
Adolf Grueber,
Kurz-, Galanterie- & Spielwaaren-Basar,
nächst der Apotheke

Rainer Wochenblatt vom Mittwoch den 08.02.1893:

Morgen den 9. Februar
Als am unsinnigen Donnerstag
 
Faschingsunterhaltung

Bei ausgezeichnetem Sommerbier, wozu ergebenst einladet Klara Kaspar Witwe

Rainer Wochenballt vom Samstag 11.02. 1893:

Burschenverein Ernst und Frohsinn Rain
Sonntag den 12. Februar Abends halb 8 Uhr
 
BALL

Im Streitbergsaale, wozu die Herren Mitglieder und Ehrenmitglieder ergebenst eingeladen werden.
 
Nur speziell Eingeladene haben Zutritt.
 
Die Vorstandschaft.

1898

Wir blättern für Sie in alten Zeitungen:

Schon 1898 ist im Rainer Wochenblatt eine Anzeige zu finden, wonach der Turnverein Rain "Gut Heil", am 15.01.1898 für eine Faschingsunterhaltung, verbunden mit turnerischen Produktionen und darauffolgender Tanzveranstaltung, wirbt.

Ebenso finden wir unter "Lokales und vermischte Nachrichten" am 24.02.1898 einen ausführlichen Bericht über den am 22.02., stattgefundenen "Maskenumzug". Wenn man aber den gesamten Text genau liest, läßt sich daraus schließen, daß auch schon vorher, aber leider nicht durch Berichte belegt, Maskenzüge stattgefunden haben; denn es heißt u.a. wörtlich: "Auch der diesjährige Maskenzug brachte wieder viel Leben in unsere Stadt ..."

In einer Anzeige im Rainer Wochenbatt findet sich sogar schon eine Annonce "Bekanntmachung des Großen Rathes - im Namen des Narren-Komitees werden hiermit sämtliche Narren aufgefordert und speziell wird den Ausschußmitgliedern der sämtlichen hiesigen Vereine der prompte Auftrag erteilt, sich Freitag, den 21.01.1898, Abend 8.00 Uhr im Probezimmer des Herrn Georg Bschorer einzufinden. So geschrieben im Jahre des Heils 1 8 9 8 - Das Narrenkomitee".

1901

Im FCR Archiv findet sich ein Plakat, welches zum Faschingsumzug am Faschingsdienstag den 19. Februar 1901 aufruft.

 

 

 

1903

Rainer Wochenblatt vom Samstag 31.01.1903:

Faschings-Unterhaltung

 
Nachdem die geplante Faschingsunterhaltung auf der Unterstützung der fleißigen Einwohnschaft finanziell gesichert ist, dürfte es gestattet sein den Schleier, der uns Bange bisher noch umgab, ein wenig zu lüften. An erster Stelle sei auf die echt karnevalistische Ausschmützung des Saales hingewiesen. Wohin nur immer das Auge des Teilnehmer blicken wird, vor allen Wänden, aus allen Ecken, werden ihm satyrisch humristische Gestalten entgegengrinsen. Die trefflichen Weisen einer Militärkapelle Frohsinn und munteres Treiben der Masken im Wechsel mit Wortbeiträgen voll sprundelnden Humors und Zitz, zuletzt was keineswegs verkürzt werden soll der Tanz sie alle werden zur weiteren Belebung und Hebung des Abends beitragen. Um jedoch diese Versprechungen vollauf erfüllen zu können, werden die Teilnehmer an der Unterhaltung gebeten, recht azhlreich und womöglich maskiert zu erscheinen.
 
Also weg mit den Grillen und Sorgen, eilet alle, alle am 7. Februar zum Bschorer-Saale, um dem närrschein Prinzen Karneval den schuldigen Tribut zu entrichten.
 
Musik ausgeführt von einer Abteilung des kgl. 1. Fußartillerie-Regiments Ingolstadt
 
Das Comitee.

1921-1927

Verbot von Karnevalsbetrieb auf öffentlichen Straßen un Plätzen (siehe das Rainer Wochenblatt vom 15.01.1927).

1928

1928 jedoch entdecken wir in einem Auszug des "Rainer Stadt- und Landboten" folgende Zeilen: "Im vollbesetzten Bschorersaal war Varietevorstellung der Fam. Waitzmann ... . Besonders Weiß Ferdl vom Platzl erfreute die Zuhörer durch seinen geldenen Münchner Humor..."

Am 4.02.1928 findet in Rain die "Große-Sulz-Reduote" statt" Dem Inserat nach gab es in diesem Jahr einen "Prinz Karnevall", der auf einer Festsau Einzug hält, samt Gefolge.

Wiederum ist in diesem Jahr vom "Rainer Faschingskomitee" die Rede. Am Faschingsdienstag findet ein Faschingszug statt. - Darüber schreibt der "Rainer Stadt- und Landbote am 17.02.1928: " Die Vorstellung am Fasnachtdienstag wird zu einem Markstein der Geschichte der Stat Rain ...";

1929

1929 liest man von Faschingsvoranstaltungen verschiedenster Art. Aber es heißt auch: "Ein Faschingsumzug findet in diesem Jahr nicht statt". Laut "Rainer Stadt- und Landbote" herrscht vom Faschingssonntag bis Faschingsdienstag "sibirische Kälte" - es werden -40°C gemessen.

1930

1930 finden sich wiederum viele Faschingsball-Annoncen. Vorwiegend ansässige Vereine laden ein. Am 14.02.19 lädt der Fußballclub zum "größten Maskenball der Saison" ein.

1931

1931 ist im Rainer " Stadt- und Landboten " zu lesen:

"Betreff der Fasinacht kann ich Dir mitteilen, daß es noch nicht gewiß ist, ob die Rainer einen Maschkra-Zug machen oder nicht. Doch das eine ist gewiß, daß ich heuer eine eigene Faschingszeitung herausgebe, wei lich den schlechten Zeiten durchaus keinen Schwung lasse. Ich kann doch nicht solange die Fotzn runterhängen, bis wieder bessere Zeiten kommen".

1932

1932 scheint der Bazillus "Faschingsfieber" wieder in Rain grassiert zu haben. Der "Rainer Stadt- und Landbote" veröffentlicht am Freitag, den 12.02.32: "Gott sei Dank, daß die Fasinacht vorbei ist, wenn's noch länger dauert hätt, dann wären noch alle Rainer narrisch geworden. Die ersten Anzeichen traten schon am glumpigen Donnerstag auf ...". Der "Glumpige Donnerstag" scheint schon immer eine besondere Anziehungskraft gehabt zu haben.

1934

Wenn wir alte Fotoalben durchsehen, entdecken wir Fotos, die Auskunft über einen im Jahre 1934 durchgeführten Faschingszug geben.

1938

Gründung der allerersten Rainer Garde

1949

Die erste Rainer Nachkriegsgarde wird aus der Taufe gehoben.

Die Truppe stand damals unter den Fittichen des TSV Rain. Damals wurde mit dem großen TSV-Ball der Fasching im Lutzsaal eröffnet. Der Saal war damals bis auf den letzten Platz besetzt und die Stimmung war einmalig, so die Erzählungen. Eröffnet wurde der Ball mit dem Einmarsch der Garde, die sich die Kleidung von der allerersten Rainer Garde aus dem Jahre 1938 besorgt hatte. Die Garde tanzte, einstudiert von Frau Jaitner, nach der Melodie die "Petersburger Schlittenfahrt", die von der "Roaner Streichmusik" gespielt wurde. Es gab auch schon damals ein Prinzenpaar, im ersten Jahr regierten Prinzessin Anni I. (Beck) und Paul I. (Ottersbach). Hofmarschallin damals war Irene Jaeger. Außerdem fanden in diesem Jahr ungefähr zehn Bälle in Rain statt, auf denen die erste Garde aufgetreten ist.

In der Garde waren: Hildegard Penzkofer, Hanni Veh, Marga Sauer, Marlies Metschl, Dora Stempfle, Herta Lauterbach, Else Buchele, Irma Wiest, Maria Hauke, Traudi Humig, Gerda Bentenrieder

Das Prinzenpaar und die Gardistinnen hatten damals beigetragen, den Schrecken des Krieges, zumindest für die Zeit des Faschings, zu vergessen.

1952

Erst nach dem 2. Weltkrieg, nach Rückkehr der Soldaten von den verschiedensten Fronten und Gefangenenlagern un der darauffolgenden Währungsreform, finden sich wiederum Rainer zusammen und betreiben erneut die Organisation eines Faschingszuges.

Franz Hirschbeck, Heinrich Busch, Michael Rieder, Max Würmseher, Werner Narr, Josef Klostermeier und Georg Rabuser bringen ganz Rain auf die Beine.

1953

Von 1953 bis 1961 finden alljährlich in den Straßen Rains Faschingsumzüge, jeweils am Faschingssonntag, statt. Die Initiative geht dabei vorwiegend von Franz Hirschbeck aud, der mit seinem gesamten Hab und Gut die Haftung übernimmt. Etwas zögernd, aber immerhin schon in den Anfängen deutlich erkennbar, etabliert sich in diesen Jahren eine Faschingsgesellschaft. 1959 ist der spätere 1. Bürgermeister Karl Würmseher im Faschingsclub als Schatzmeister tätig.

Immer turbulenter wird dann in der Folge auch der "Lumpige Donnerstag" oder auch die "Weiberfasnacht", die aber auch die Männerwelt weidlich nützt, um einmal unerkannt ausgelassen Späße treiben zu können. An diesem Tag sind die Lokale gerammelt voll, die ganze Stadt wimmelt von lustigen, frechen, schönen und wilden Masken.

1961

1961 findet sich nun doch eine ganze Anzahl faschingsbegeisterter Rainer zusammen. Am 25.01.1961 wird die Neugründung eines Faschingsvereins beschlossen, welche dann am 11.11.1961 stattfand. Auch hier ist wiederum federführend Franz Hirschbeck tätig. 40 Mitglieder können geworben werden. Die Kosten für die Veranstaltungen steigen an, schon damals müssen ca. 1400 DM aufgewendet werden, um notwendige Dekorationen, Versicherungen etc. zu bezahlen. In diesem Jahr erscheint wiederum eine Faschingszeitung, die "Roaner Stadtratschn".

1962

Faschingszug

1963

Am 26.02. berichtet die Neuburger Rundschau, daß "der Rainer Faschingszug die einzige Veranstaltung dieser Art im Neuburger Stadt- und Landkreis war".

1964

bis 1972 finden auf Initiative der Faschingsvereins jeweils Faschingsumzüge statt.

 



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